© Märchen mit Herz 2018

Dies & Das

Märchen mit Herz

Nina Neubert - Erzählerin

Ob ein Kurzmärchen zur passendes Jahreszeit, einen Presseartikel oder einfach etwas, was ich mit der Menschheit teilen möchte… All Dies&Das werden Sie ab sofort hier finden.
Zur Weihnachtszeit ein Märchen für Euch… Vor langer Zeit, in einem weit entfernten Land, da lebte einmal ein armer Waisenknabe. Er wohnte bei einem reichen Renzüchter und musste dort täglich dessen Rene hüten und ganz allein alles Brennholz spalten. Der arme Knabe hatte ein schweres Leben. Der Reiche behandelte ihn schlecht und ließ ihn Hunger und Kälte leiden. Eines Nachts, da trat der Reiche vor den Waisenknaben: „Heute ist eine klare Winternacht, der Mond steht hell am Himmel, da kannst du die Rene am Kegelberg hüten. Pass aber bloß auf, dass sie nicht von den Wölfen gerissen werden!“ Der Waisenknabe trieb weinend die Rene vor sich her, bis sie beim Kegelberg anlangten. Er fror erbärmlich in der Winterkälte. Er schaute schluchzend zum Mond hinauf, der sein sanftes Licht zur Erde hinab warf. Der Mond aber, war in weiter Ferne. Der Knabe setzte sich auf einen Baumstumpf, nahm seine Fäustlinge in die Hand und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Nach einer ganzen Weile da war es ihm, als ob der Mond auf ihn zukommt. Jetzt war er gar nicht mehr so weit weg. Mit großen Augen sah der Knabe zum Mond und dieser kam immer näher - ganz nah an ihn heran: „Warum weinst du?“ „Ich habe weder Vater noch Mutter. Der Renzüchter behandelt mich schlecht. Ich bekomme nur zerschlissene Kleider, kaum zu essen und muss frieren in der Kälte der Nacht.“ „Ich will dich mitnehmen. Du wirst bei mir wohnen und sollst es gut haben.“ So nahm der Mond den Knaben mit und dieser kehrte nicht mehr zurück. Der Reiche aber suchte alle Tage nach dem Waisenknaben, konnte ihn aber nirgends finden. Eines Nachts, da kam der Mond zu dem Reichen und stellte sich vor ihn: „Du hast das Kind, das weder Vater noch Mutter hat, übel behandelt. Du hast ihn hungern und frieren lassen. Das war schlecht getan. Ich hatte großes Mitleid mit dem kleinen Jungen und habe ihn zu mir genommen. Jetzt wird er immer bei mir bleiben, dort hat er ein gutes Leben. Alle Völker werden ihn sehen und du auch. Er steht und hält seine Fäustlinge in der Hand. Weil du ihn aber so schlecht behandelt hast, so werden die Wölfe all deine Rene fressen.“ Und es geschah, wie der Mond gesprochen hatte – die Rene des Reichen wurden alle miteinander von den Wölfen gefressen. Dem Waisenknaben aber geht es sehr gut bei dem Mond. Alle Völker der Erde können ihn dort sehen. Er ist gut zu erkennen, wie er da steht und seine Fäustlinge in der Hand hält. Er ist der Gehilfe des Mondes und es mangelt ihm an nichts. Schau auf zum Mond, ich kann ihn dort oben sehen – siehst du ihn auch? (Märchen aus Sibirien - Ewenken) aus dem Buch Wintermärchen aus aller Welt - Mutabor Verlag
Quelle: WAZ - Ausgabe Velbert
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